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Ute Stocker,

Was die Tech-Szene beschäftigt und was das für Kommunikationsexperten bedeutet

Artificial Intelligence, Fake News, Authentizität – das waren nur drei der Buzzwords beim Web Summit 2018 in Lissabon, der 60.000 Teilnehmer in die portugiesische Hauptstadt lockte. Die größte Technologiekonferenz der Welt holte mit Cal Henderson, Mitgründer und CTO von Slack; Ev Williams, Gründer & CEO von Medium; Tim Berners-Lee, der Erfinder des World Wide Web und Gründer von Web Foundation, bis hin zu Ben Silbermann, CEO & Co-Founder von Pinterest, zahlreiche große Namen auf die Bühne.

Web Summit 2018 in Lissabon

Aber was bedeuten die großen Schlagworte der Technologiekonferenz für uns als Kommunikationsexperten?

Artificial Intelligence ist auf dem Vormarsch

Ist Ihnen schon aufgefallen, dass Sie auf vielen Websites mittlerweile von Chatbots begrüßt werden? Momentan sind sie vor allem für sehr häufige Fragestellungen (FAQ) im Einsatz, erleichtern dem User die Navigation auf der Website und entlasten insbesondere den Kundendienst. Aber könnten sich Chatbots zum Beispiel auch in einer Krisensituation bewähren? Man stelle sich einen digitalen Helfer vor, der wichtige Informationen in Echtzeit verbreitet und in der emotionalen Ausnahmesituation einer Krise nicht von seinen Gefühlen geleitet wird.

In unserer Kundenarbeit haben wir z.B. bereits Live-Calls mit bis zu 5.000 Mitarbeitern abgehalten. Der nächste Schritt wären neue Formen der Kommunikation und Interaktion durch Virtual bzw. Augmented Reality: Damit können wir uns zukünftig etwa in virtuellen Konferenzräumen treffen, oder virtuelle Pressekonferenzen mit Gästen aus der ganzen Welt abhalten. Wir werden die Themen und Produkte unserer Kunden in immersiven Erlebnisräumen weit tiefgehender vorstellen können, als bisher möglich.

Weitere, bereits existierende Beispiele, wären zum Beispiel die Gesichtserkennung bei Facebook, oder die Spracherkennung von Siri oder Alexa. Auch die Online-Suche wird immer visueller: Durch Google Lens oder Pinterest Lens lassen sich mittlerweile ganz einfach mit dem Smartphone verschiedene Gegenstände einscannen, woraufhin verwandte Objekte vorgeschlagen werden.

Fake News ist ein globales Problem

Fake News sind keinesfalls ein neues Phänomen, aber das Ausmaß wird nicht zuletzt durch digitale Plattformen und Social Media immer größer. Vor allem durch Algorithmen verbreiten sich Falschinformationen viral im Netz.

Auch an die Krisenkommunikation stellt die rasche und umfangreiche Verbreitung von Falschinformationen große Herausforderungen. Um schnell und zeitnah reagieren zu können müssen Unternehmen umfassend auf solche Szenarien vorbereitet sein. Mit unserem Gaisberg Crisis-Simulator können wir die Teilnehmer aus verschiedenen Abteilungen auf Ihre Krisenfestigkeit testen. Mit unserem Software-Tool werden die Anforderungen einer klassischen medialen Krise mit den neuen Herausforderungen der sozialen Medien kombiniert. So stellen wir die Krisenkommunikation unserer Kunden auf den Prüfstand.

Aber wie kann Qualität über Viralität siegen? Wie kann man einerseits Falschinformationen reduzieren und andererseits wahre Informationen pushen? David Pemsel, CEO der Guardian Media Group, spricht sich beim Web Summit etwa dafür aus, dass auch die großen Technologiekonzerne in die Verantwortung gezogen werden und technische Lösungen entwickeln müssen, die schnell zwischen wahr und falsch unterscheiden und dementsprechend auch steuern können, welche Informationen verbreitet werden.

An einer Software für dieses Problem arbeitet etwa „Factmata“ und stellt es im Rahmen der Startup Competition des Web Summits 2018 vor. Factmata ist ein Programm, das darauf abzielt, Falschinformationen durch künstliche Intelligenz, Communities und Expertenwissen aufzudecken und zu reduzieren.

Aber wie kann man auf Metaebene vor Falschinformationen schützen? Ein Lösungsansatz für den sich viele Aussprechen und auch in Zukunft erwarten sind stärkere Regulationen und Kontrollen. Große Internet-Plattformen wie Facebook, Google, Twitter und Mozilla haben der EU-Kommission zudem bereits Pläne zu einem Kodex gegen Fake News vorgelegt.

Gleichzeitig liegt es aber auch in der Verantwortung eines jeden Einzelnen, proaktiv aus seiner Filter Bubble hinauszutreten und sich auch mit Meinungen auseinanderzusetzen, die nicht der eigenen entsprechen. Auch medienpädagogische Maßnahmen können helfen, Jugendliche bereits früh für das Thema Fake News zu sensibilisieren.

Authentizität wird immer wichtiger

Ein ebenfalls vielfach zitiertes Schlagwort beim Web Summit, in unterschiedlichem Kontext, war „Authentizität“. Dass Authentizität ein wichtiges Kriterium für den Markenerfolg ist und das Vertrauen der Kunden fördert, ist kein Geheimnis. Insbesondere seitdem Influencer-Marketing ein immer wichtigeres Instrument der Kommunikationsarbeit vieler Unternehmer geworden ist, hat Authentizität an Bedeutung noch mehr zugenommen.

Eines der wichtigsten Kriterien für erfolgreiches Influencer-Marketing ist sicherlich die Passgenauigkeit zwischen Marke und Mensch. Passen die Themen von Influencer und Marke nicht zusammen, wird die Glaubwürdigkeit von beiden darunter leiden. Um die jeweils passenden, reichweitenstarken Influencer für die jeweilige Marke oder das jeweilige Produkt zu finden, gibt es inzwischen mehrere Influencer Marketing Plattformen und Agenturen, die Unternehmen bei dieser Aufgabe helfen.

Auch die Pflicht zur Kennzeichnung von bezahlter Kooperation hat zu mehr Authentizität verholfen. Auch wenn die Verbindung von Werbung und Authentizität bei manchen auf den ersten Blick als paradox erscheinen mag – Transparenz ist immer wichtig für die Glaubwürdigkeit. Studien haben zudem bereits gezeigt, dass es Follower bzw. Konsumenten wenig interessiert, ob gewisse Produkte im Kontext einer bezahlten Kooperation beworben werden. Laut einer aktuellen Trend-Auswertung der Markt-Media-Studie Best 4 Planning (b4p) geben mehr als die Hälfte der Befragten an, dass es sie nicht stört, wenn es sich um bezahlte Werbung handelt.

Der Web Summit war ein guter Ausblick rund um viele Trends und neue Technologien, die auch in der Kommunikationsberatung einen immer wichtigeren Stellenwert haben werden. Es heißt weiterhin Augen und Ohren offen halten, um am Ball zu bleiben und neue Möglichkeiten schrittweise in die Kommunikationsarbeit aufzunehmen – natürlich immer mit Maß und Ziel.

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