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Judith Erlfelder,

Von I wie Ideenfriedhof bis Z wie Zombieprojekte:

warum die Innovationsfassaden vieler Unternehmen bröckeln

Innovation ist ein heiß diskutierter Begriff, aber schwer greifbar. Viele von uns sind auf der Suche nach Anleitungen und Best Practice Beispielen. Wir diskutierten mit Innovationsexperten Jean-Philippe Hagmann und unseren Gästen aus unterschiedlichsten Branchen beim Frühstück mit Ausblick. Und es zeigte sich ganz klar: hinter den Innovationsfassaden vieler Unternehmen fehlt das Fundament.

Gibt es in Ihrem Unternehmen ein Innovation Lab? Haben Sie einen Ideenfriedhof im Unternehmen? Also etwa ein Excel-Sheet mit mehreren hundert Ideen, die im Unternehmen gesammelt werden und dann in einer Schublade verstauben. Schon mal eine Fucked-up Night gefeiert und Ihre beruflichen Misserfolge zelebriert? Und wie viele Zombie-Projekte sind Ihnen schon begegnet? Projekte, die nie beendet werden, aber immer wieder auftauchen und nicht tot zu kriegen sind?

In Sachen Innovation setzen Unternehmen und Organisationen auf unterschiedlichste Einzelmaßnahmen, die per se nicht schlecht sind, trotzdem fehlt hinter der Fassade oft das Fundament. Hagmann schreibt in seinem Buch „Hört auf, Innovationstheater zu spielen“, was es für wirkliche radikale Innovation braucht: das richtige Maß an Freiräumen vs. Tagesgeschäft, die notwendigen Rollen und Aufgaben, eine klare Prozessverantwortung und als Basis eine entsprechende Kultur und das richtige Mindset. 

Meine persönlichen 5 Thesen aus der Diskussion habe ich für Sie zusammengefasst:

  1. Ohne Kultur und Vision geht es einfach nicht. Nicht sonderlich innovativ, aber Kultur und Vision sind das Fundament. Dies erfordert mutige Führungskräfte, die wirklich etwas verändern wollen. Das braucht Zeit und kann nicht einfach umgesetzt werden. Leider sind Kultur & Vision nur schwierig in KPI´s messbar, können nicht rasch als Quick-Win gefeiert werden und widersprechen so oft dem aktuellen Zeitgeist.
  2. Es muss nicht jeder radikal innovativ sein, aber bitte stehen Sie dazu. Man unterscheidet radikale (an den Wurzeln packen, neue Lösungen) und inkrementelle (Verbesserung einer bestehenden Lösung) Innovationen. Nicht jedes Unternehmen muss, kann und will radikal innovativ sein und das ist auch in Ordnung. Man muss nicht Theater spielen. Aber es gilt wachsam zu sein: Mit dem technologischen Fortschritt und den gesteigerten Kundenbedürfnissen besteht die Gefahr den Wandel zu verschlafen.
  3. Warten Sie nicht auf Patentrezepte. Dann kann es schon zu spät sein. Wir müssen mutig sein und Dinge ausprobieren. Experimente wagen und umsetzen. Dies gelingt nur mit einer guten Brücke und Kommunikation zwischen Entdeckung- und Umsetzungsphase.  
  4. Seien Sie nicht nur lösungsorientiert. Packen Sie das Problem an der Wurzel. Wer wirklich radikal innovativ sein will, muss erst einmal das dahinter liegende Problem identifizieren. Erst dann werden Ideen gesammelt. Und seien Sie sich bewusst: Die meisten Ideen sind schlecht, das kann gar nicht anders sein.
  5. Es gibt viele falsche Wege. Aber nicht nur einen richtigen. Wir müssen uns neuen Theorien und Ansätzen offen zeigen, das richtige mitnehmen und für uns und unser Unternehmen übersetzen und weiterentwickeln.

Eins ist klar: Innovationstheater reicht nicht aus. Aber wie bei jeder Veränderung wollen wir instinktiv das Bewährte schützen. Innovativ zu sein, heißt auch zu lernen durch die Innovationswelle zu surfen und uns weiterzuentwickeln. Wie Tim Höttinger, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, schon sagte: „Die größte unternehmerische Herausforderung für erfolgreiche Unternehmen ist, eine Antwort auf die Frage zu finden, wie man die nächste Welle der Innovation schafft. Auch bei Hightech-Unternehmen fangen Menschen auf einmal an, das erfolgreiche Geschäftsmodell zu schützen und das Neue nicht mehr zuzulassen.“

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