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Judith Erlfelder,

Digitalisierung – Effizienz allein ist keine Lösung

Warum Innovationskultur unerlässlich ist

Die Digitalisierung ist in vollem Gange. Kaum ein Branchenkongress oder eine Managementtagung und kaum eine Vorstandsetage, wo das Thema nicht diskutiert wird. Schlägt man die Zeitung auf, liest man über milliardenschwere Übernahmen von digitalen Geschäftsmodellen. Beispiel gefällig? Mitte März investierte Intel 15,3 Milliarden Euro in die Übernahme des israelischen Sensor-Herstellers Mobileye. Die Erwartung: Das Unternehmen soll entscheidender Zulieferer beim Thema selbstfahrende Fahrzeuge werden.  

Kein Einzelfall, so die Prognosen: Bereits 2020 werden über 30 Milliarden vernetzte Geräte genutzt werden und das “Internet der Dinge” mit 1.9 Billionen Dollar zur ökonomischen Wertschöpfung beitragen – so der Digitalexperte Karl-Heinz Land. Wenn es allerdings um Digitalisierung und die Zukunft der Arbeit geht, zeichnen Studien düstere Zukunftsprognosen: So könnte die Arbeitslosigkeit bis 2050 auf 24 Prozent oder mehr steigen (Bertelsmann 2016). Dabei ist ganz klar: Wenn viele Faktoren zusammenwirken, viele Akteure involviert sind und die Komplexität zunimmt, gibt es nicht nur eine Zukunft.

Digitalisierung ersetzt Arbeiter und Anwälte

Unsere Vorstellung von Arbeit wird sich aber grundlegend ändern müssen. Neue Technologien wie Robotik und künstliche Intelligenz treiben Entwicklungen, der Rest der Welt zieht nach. Im Innovationslabor Future Work Lab  stellt das Fraunhofer-Institut seit Februar, in verschiedenen Szenarien, die gesamte Breite der Industriearbeit der Zukunft greifbar dar. Beim Frühstück mit Ausblick von Gaisberg Consulting veranschaulichte Dr.-Ing. Sebastian Schlund, Digitalisierungs- und Automatisierungsexperte am Fraunhofer Institut, wie sich neue Schlüsseltechnologien auf die Produktionsarbeit auswirken. Sein Fazit: heute haben wir noch Gestaltungsspielraum, den wir nützen müssen.

Digitalisierung macht auch nicht vor der Wissensarbeit halt. Ein Beispiel dafür ist das Unternehmen Geblitzt.de, das den Anwalt digitalisiert und kostenlos Bußgeldbescheide prüft. Diese Entwicklungen zeigen:  Alles was standardisiert und automatisiert werden kann, wird automatisiert. 

Darum kann Digitalisierung nicht die Antwort sein, sondern der Beginn für neue Fragestellungen. Was unterscheidet uns von Maschinen? Unsere Wahrnehmung, unsere Empathie und unsere Kreativität. Und hier sind sich die Experten einig: kreative Intelligenz überlebt. Innovation sorgt für Wachstum und Zukunftssicherheit. Für viele Unternehmen heißt Digitalisierung die Fortsetzung ihres Geschäfts im Internet – doch die Digitalisierung wird Unternehmen und Märkte neu definieren. Startups sind heute in der Lage, durch Technik Märkte zu revolutionieren. Wenn etablierte Unternehmen diese Märkte weiter gestalten wollen, muss man sich selbst hinterfragen und auf diese Herausforderungen reagieren.

Effizienz allein ist keine Lösung

Wie visionär sind Ihre Unternehmensziele? Fördern oder bremsen Ihre Unternehmenswerte, Ihre Führungskräfte oder Ihre Strukturen Kreativität & Innovation? Wie viel Zeit und Ressourcen werden für Innovation bereitgestellt? Wieviel Ihrer Tätigkeiten hat einen direkten Nutzen für Ihre Kunden? Wenn es um das Thema Digitalisierung geht, steht Effizienzgewinn für viele Unternehmen ganz oben auf der Prioritätenliste. Aber eine Effizienzkultur ist nicht innovativ. Es braucht eine Unternehmenskultur, die Innovationen begünstigt, wo Selbsterzeugung dazugehört und der Fokus auf dem Kunden liegt. 

Digitalisierung wird immer noch viel zu oft als rein technische Transformation verstanden. Es braucht eine Kultur, die das "Andersdenken" fördert und Raum für kreative Vorstellungskraft gibt. Nur wenn es Unternehmen wirklich schaffen, eine Innovationskultur zu entwickeln und zu leben, dann werden sie langfristig innovativ und erfolgreich sein. Es ist (auch) an der Kommunikation, diesen Wandel zu gestalten,  die richtigen Fragen zu stellen, mutige Hypothesen zu entwickeln und Innovation voranzutreiben.

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