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Isabella Schulner,

Kommunikation kann Restrukturierungsprozesse wesentlich steuern

Ein Forschungsprojekt von Gaisberg

  • Bei Insolvenzen und Unternehmenspleiten dominieren Stigmatisierung und Unsicherheit
  • Restrukturierungen und Insolvenzen fordern klare Kommunikationsstrategie
  • Führungs- und Kommunikationskompetenzen als wesentliche Treiber erfolgreicher Restrukturierungsprozesse
  • Trainings sowie klare Standards sind wichtige Erfolgsfaktoren für die Restrukturierungs- und Insolvenzkommunikation

Rund 5.000 Unternehmensinsolvenzen werden laut KSV1870 durchschnittlich in Österreich pro Jahr angemeldet. Während die Anzahl der Insolvenzen leicht rückläufig ist, sind Unternehmen zunehmend mit immer komplexer werdenden Restrukturierungsprozessen konfrontiert. Neben dem steigenden Innovationsdruck und der zunehmenden Digitalisierung gibt es weitere Treiber: Restrukturierungsprozesse und Insolvenzen finden unter enormer interner wie externer Beobachtung statt, stehen unter Zeitdruck und sorgen für erhöhten Kommunikationsbedarf. Das zeigen die Ergebnisse des Gaisberg-Forschungsprojekts, das gemeinsam mit dem IMC Krems zum Thema „Restrukturierungs- und Insolvenzkommunikation in Österreich“ durchgeführt wurde. Die Folge: ein hoher Grad an Verunsicherung – sowohl im Unternehmen als auch bei Kunden, Lieferanten und Banken.

Restrukturierungen und Insolvenzen leiden unter Stigmatisierung

Im Rahmen der Forschungszusammenarbeit zwischen Gaisberg und dem IMC Krems zeigte sich: Medien wie auch die breite Öffentlichkeit setzen Insolvenzen mit Scheitern, Handlungsunfähigkeit und mit dem Tod des Unternehmens gleich. Fehlendes Wissen und ungeplante Kommunikation verstärken intern wie auch extern diesen Eindruck und führen zu Fehleinschätzungen. Auch eine mangelnde Fehlerkultur im Unternehmen wirkt als Verstärker der Tabuisierung. Aus der Praxis zeigt sich: Viele Unternehmen entscheiden sich, nicht oder erst sehr spät zu kommunizieren. Unternehmen, die bisher praktisch nicht kommuniziert haben, fallen beinahe in eine kommunikative Schockstarre. Doch gerade in unsicheren Zeiten gibt es erhöhten Kommunikationsbedarf.

Gleichzeitig sehen wir in den Studienergebnissen aber auch ein positives Signal: Unternehmen und Organisationen sind gefordert, sich heute aktiv mit dem Thema Kommunikation bei Restrukturierungen und Insolvenzen auseinanderzusetzen. Die Chancen, die professionelle Restrukturierungskommunikation bietet, werden oft unterschätzt: Wichtig ist, dass Unternehmen über eine klare Unternehmensstrategie verfügen. Aus der Praxis wissen wir, dass viele Unternehmen unter einem Strategie-Dilemma leiden, das in der Phase einer Restrukturierung verstärkt zum Ausdruck kommt. Restrukturierungen und Insolvenzen können, wenn sie in einem Ausgleichsverfahren oder einem Turnaround münden, ein wichtiger und notwendiger Anlass für die Neugestaltung von Prozessen und damit ein Sprungbrett für Unternehmen bedeuten.

Führungs- und Kommunikationskompetenzen zunehmend wichtiger

Die frühzeitige kommunikative Begleitung, beginnend beim Top-Management, ist daher ein entscheidender Erfolgsfaktor: eine gut durchdachte Kommunikationsstrategie unterstützt das Management dabei, Sinn zu stiften und Orientierung in unsicheren Zeiten zu bieten. Silvia Kucera, die das Forschungsprojekt seitens des IMC Krems leitete, dazu: „Das Commitment des Top-Managements ist entscheidend, gerade weil Insolvenzen alle Beteiligten verunsichern.“

Die Ergebnisse der Forschungszusammenarbeit zeigen einen Zusammenhang zwischen den Ursachen der Insolvenz und der daraus resultierenden Kommunikation: „Vor allem das Management neigt zu einer emotionalen Aufladung und nimmt eine Insolvenz als persönliches Versagen wahr. Sie verdrängen den Ernst der Lage und riskieren damit den Fortbestand des Unternehmens“, so Kucera. Besonders um das Verfahrensziel in einer Insolvenz, die Masseerhaltung, zu gewährleisten, ist spezifisch geplante Kommunikation unumgänglich.

Szenariotrainings und klare Standards als Erfolgsfaktoren

Durch die steigende Komplexität der Restrukturierungsprozesse sind Unternehmen gefordert, sich vorzubereiten und fortwährend interne Prozesse und Strukturen zu hinterfragen. Die Feldforschung hat gezeigt, dass interne Prozesse und zahlreiche Hierarchieebenen als Gatekeeper bzw. Flaschenhals fungieren, die die Weiterleitung von wesentlichen Informationen verhindern. Aus der Praxis wissen wir: Wichtige Informationen landen so nicht beim Management. Viele Unternehmen sind sich dessen bewusst, reagieren aber zu spät.

Mangelnde Planung, diffuse Verteilung von Aufgaben bzw. Überforderung sind weitere Stolpersteine und führen zu Schnellschüssen sowie Fehlkommunikation. „Die gute Nachricht: Unternehmen können sich auf unsichere Zeiten vorbereiten.“ Internes und externes Monitoring kann als Frühwarnsystem eingesetzt werden. Regelmäßige Trainings, detaillierte Stakeholderanalysen und klare Standards helfen Unternehmen sich auf unsichere Zeiten vorzubereiten.

Zur Forschungszusammenarbeit

Gaisberg Consulting hat im Rahmen eines Forschungsprojekts mit der Fachhochschule IMC Krems, unter der Leitung von Mag. Silvia Kucera, das Thema Restrukturierungs- und Insolvenzkommunikation in Österreich untersucht. Entstanden sind auch neun Erfolgsfaktoren für die Praxis, das 3x3 der Restrukturierungskommunikation.

Die Ergebnisse des Forschungsprojekts sowie das 3x3 der Restrukturierungskommunikation können Sie hier herunterladen.

Hier können Sie die Presseaussendung herunterladen.

Ein Beispiel für eine gelungene Kommunikation in Restrukturierungsprozessen können Sie zudem im trend mit Rafael Daum, 45, CEO des Kunststoffspezialisten Rehau Österreich nachlesen.

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