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Judith Erlfelder,

Neue Komfortzone: Innovation

Ums-Eck-Denken – mit allen Kanten, die dazu gehören

„We didn’t do anything wrong, but somehow the world changed too fast“, sagte Nokia CEO Stephen Elop auf seiner letzten Pressekonferenz, nachdem Nokia an Microsoft verkauft wurde. Nokia – einst der Pionier der Handybranche – verschlief die Zeichen der Zeit, setzte auf immer mehr vom Gleichen und hat verloren.

Beim Frühstück mit Ausblick diskutierten Innovationsexperte Christian Buchholz und Teilnehmer, wie Unternehmen eine echte Innovationskultur entwickeln können und welche Methoden dabei helfen können. Zurücklehnen und berieseln lassen, ist dabei fehl am Platz. Das Neue ist ein Störenfried. Es verlangt umzudenken, uns zu verändern und unsere Komfortzone zu verlassen.

Es braucht nicht immer mehr vom Gleichen, sondern ein Ums-Eck-Denken – mit allen Kanten, die dazu gehören. Der erste Schritt: das eigene Mindset verändern.

Raus aus der Komfortzone und Neues wagen.

Die Komfortzone ist unsere Wohlfühlzone, in der wir uns sicher fühlen. Wenn wir etwas machen wollen, was wir noch nie zuvor gemacht haben – wie Innovation – dann liegt das meist außerhalb unserer Komfortzone. Das macht uns Angst und wir verschieben es gerne auf später. Dafür sorgt das limbische System in unserem Gehirn, denn es verbindet Veränderung in erster Linie mit Gefahr.

Aber mal Ums-Eck-gedacht: Was wäre, wenn alles anders wäre? Wenn Innovation die neue Komfortzone wäre? Wenn uns Innovation ganz leicht von der Hand gehen würde und selbstverständlich wäre? Eine kleine Gedankenreise dazu:

Wenn Innovation die neue Komfortzone wäre, dann würden wir nicht immer mehr vom Gleichen tun. Wir würden einfach Neues machen, weil wir wollen und nicht, weil wir müssen. Bei neuen Ideen würden alle rufen „Spitze, das haben wir noch nie gemacht!“ Ein Kollege würde am Heimweg zum anderen sagen „Heute bin ich vor lauter Ideen nicht zum Tagesgeschäft gekommen“.

Wir würden die Unsicherheit in vollen Zügen genießen, während auf grüner Wiese Ideen sprießen. Alles was wir tun, würde sich um den Kunden und seine Probleme drehen. Und das würden wir nicht nur sagen, sondern wirklich machen. Wir wären leidenschaftlich neugierig, würden mutig neue Dinge riskieren, ohne Angst, viel zu verlieren.

Wir würden viele Fehler machen und möglichst viel aus ihnen lernen. Wir würden wissen, wohin wir wollen und warum – das wäre allen Mitarbeitern klar. Und mehr: es würde begeistern und anstecken. Selbstverständlich wäre Unternehmenskultur als Wettbewerbsvorteil anerkannt.

Letzte Abteilungssilos würden wir niederreißen und feiern, wenn sie zu Boden gehen. Wir schaffen ab, was keiner braucht – vom unnötigen Meeting bis zu sinnlosen Hierarchien. Wir würden lernen, uns radikal zu hinterfragen und „Nein“ zu sagen. Jeden Tag würden wir alles daran setzen, einen echten Unterschied zu machen. 80 Prozent der Belegschaft wären Querdenker & Innovatoren. Einige Unternehmen würden über den Umgang mit der „Ideenflut“ beraten und dann eine Mitarbeiter-Kampagne unter dem Titel „Just do nothing“ starten.

Wenn Innovation die neue Komfortzone wäre, würden wir aufhören, uns hinter traurigen Konjunktiven zu verstecken, wie „Wenn wir auch die Möglichkeit gehabt hätten, dann...“ oder „Beinahe hätten wir fast dieselbe Idee umgesetzt.“ Wir würden an uns glauben. Neues wagen, anders machen und weiter kommen. Nicht mehr. Nicht weniger. Ganz einfach.

 

Vielleicht denken Sie jetzt: Schön und gut, aber was heißt das für die Praxis? „Probleme kann man nicht mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ Das hat schon Albert Einstein gesagt. Wenn wir neue Entwicklungen gestalten und Innovation etablieren wollen, gilt es daher alte Muster und Prozesse zu durchbrechen, klassische Denkpfade zu verlassen und zu experimentieren. Methoden wie die Fluchtmethode (Was wäre unser Produkt ohne Grundbestandteile z.B. ein Hotel ohne Hotel: Airbnb) oder Innovation-Digging (Methode zur Innovationsfindung: Wie bei einer archäologischen Ausgrabung sucht, bearbeitet und testet das Team systematisch in definierten Bereichen) helfen dabei. Denn die Art, wie wir denken, ist Übungssache. Darum: Anders denken! Nicht nur bei besonderen Anlässen – auch im Alltag.

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