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Isabella Schulner,

Imageproblem Arbeitssicherheit?

Arbeitssicherheit und damit einhergehende Maßnahmen zur Vermeidung von Unfällen werden trotz der hohen Bedeutung kaum beachtet. In vielen Fällen ist Arbeitssicherheit sogar trockene Pflichtveranstaltung. Dass die fundierte Auseinandersetzung mit Sicherheit am Arbeitsplatz auch ein Schlüssel für nachhaltigen Unternehmenserfolg sein kann, wird vielerorts verkannt. Um das zu ändern braucht es eine neue Form der Kommunikation.

Allein in Österreich erleiden jährlich mehr als 120.000 Personen einen Arbeitsunfall, pro Arbeitstag sind das 480 Verletzte. Häufigste Ursachen: Stolpern, stürzen, fallen. Was sich harmlos anhört, kann tödlich enden – etwa bei einem Sturz in die Tiefe.

Hier setzt, als Summe aller Vorschriften und Maßnahmen zur Vermeidung von Unfällen, Arbeitssicherheit an. Unternehmen sind aktiv gefordert, sich intensiv mit Sicherheit und Gesundheitsschutz auseinanderzusetzen. Nicht nur aus ethischen oder humanitären Gründen ist es für Unternehmen wichtig, das Bewusstsein zu schärfen und präventiv gegen Unfälle am Arbeitsplatz vorzugehen. Mit krankheitsbedingten Ausfällen sind für Unternehmen auch hohe Kosten verbunden. Rezente Studien belegen, dass durch die detaillierte Aufarbeitung von Arbeitsunfällen auch Verbesserungen in Abläufen und Produktivität bis hin zur Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit erzielt werden können. Arbeits- und Gesundheitsschutz ist damit längst nicht als Pflicht zur Umsetzung, sondern als Gestaltungsmöglichkeit des unternehmerischen Erfolges zu verstehen.

Auch wenn viele Unternehmen dazu eine klare Haltung haben und sich zur „Vision Zero – der Reduktion der Aus- und Unfälle Richtung Null – bekennen, in vielen Betrieben wird die Kommunikation rund um Sicherheit und Gesundheit auf nüchterne Vorschriften reduziert. Unternehmen scheinen Probleme damit zu haben, Arbeitssicherheit an den Mann oder die Frau bringen zu können. Und das trotz der Tatsache, dass es hier um „Leben oder Tod“ geht.

Arbeitssicherheit im Wandel

Das fordert – nicht zuletzt aufgrund der hohen Relevanz – nach einer Repositionierung und damit eine neue Erzählweise von Arbeitssicherheit in Unternehmen. Die Kommunikation und aktive Vermittlung nehmen hier eine Sonderrolle ein – sie können wesentlich das Image von Arbeitssicherheit beeinflussen und die Relevanz des Themas im Alltag verdeutlichen. Und das gelingt nur, wenn alle Mitarbeiter sowie allen voran Führungskräfte erreicht und emotional abgeholt werden.

Um den Spagat zwischen Informationsvermittlung und Emotionalisierung zu schaffen, haben wir uns intensiv mit der Kommunikation rund um das Thema Arbeitssicherheit beschäftigt. So haben wir vier Faktoren erarbeitet, worauf es in der Praxis ankommt:

  1. Commitment von oben:
    Der Vorstand muss sich, gemeinsam mit Führungskräften, klar zur Arbeitssicherheit bekennen, um so die Relevanz von diesem Thema zu verdeutlichen.
  2. Klares Profil mit Individualität:
    Wichtiger Schlüssel zum Erfolg ist die auf das Unternehmen zugeschnittene Arbeitssicherheits-Identität mit einer klaren Zielsetzung. Arbeitssicherheit darf nicht auf leeren Worthülsen aufbauen und ist dann erfolgreich, wenn es auf das jeweilige Unternehmen heruntergebrochen wird.
  3. Sprache der Mitarbeiter:
    Arbeitssicherheit darf nicht auf technische Inhalte reduziert werden. Vielmehr müssen Emotionen angesprochen werden, ohne aber zu überzeichnen oder als „Buhmann“ aufzutreten. Allen voran in der Vermittlung selbst gilt es, ein gutes Mittelmaß zu finden und die Mitarbeiter dort abzuholen, wo sie sind.
  4. Eigen- und Führungsverantwortung:
    Über alle Hierarchiestufen hinweg gilt es die Mitarbeiter abzuholen, zu beteiligen und zu involvieren. Aktiv adressiert werden muss die eigene Verantwortung als auch die Verantwortung der jeweiligen Führungskraft. Entsprechende Managementsysteme aufzusetzen oder Arbeitssicherheit in Zielvereinbarungen zu integrieren, kann dabei helfen.

Gerade, wenn es gilt, bestehende Denkmuster und Verhaltensweisen aufzubrechen, ist Fingerspitzengefühl gefordert. Unser Ansatz: alle Mitarbeiter einbinden und als Botschafter für Sicherheit einsetzen. Ziel für jedes Unternehmen muss sein, dass jeder Einzelne die Relevanz verinnerlicht und Sicherheit als Top-Thema auf der eigenen Agenda hat.

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